Meine Beschwerde beim Deutschen Presserat gegen die verleumderische Hetze von BILD

Am 11. Mai 2024 habe ich Beschwerde beim Deutschen Presserat eingelegt gegen den verleumderischen Artikel „Universitäter“ in der BILD vom 10.5.2024:
„Der Artikel ist eine böswillige Verleumdung und bewusste Verdrehung von Tatsachen. Das „Statement von Lehrenden an Berliner Universitäten“ drückt Kritik an dem Polizeieinsatz an der Freien Universität Berlin aus und die Sorge, dass damit das Grundrecht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit verletzt wird, und tritt dafür ein, dass die Dialogfähigkeit an den Universitäten bewahrt und geschützt wird.
Das Statement nimmt explizit keine inhaltliche Stellung zu den Forderungen der Demonstrant:innen. Weder unterstützt es noch identifiziert es sich mit deren Forderungen. Daraus abzuleiten, die Unterzeichner:innen, darunter auch ich, hätten einen „offenen Brief für Juden-Hass-Demos“ unterschrieben, ist eine böswillige Verleumdung, die mit der Abbildung der Porträts und Namen von 13 Unterzeichner:innen (fehlt nur noch die Adresse), darunter auch ich, diese Menschen persönlich markiert und bewußt möglichen Gewaltaktionen aussetzt.
In meinem Fall ist die Behauptung eine bewußte Verleumdung, da allein ein Blick in Wikipedia genügt hätte, um zu belegen, dass ich ein international renommierter NS- und Holocaust-Historiker bin, in meinem wissenschaftlichen Werdegang Gast des International Institute for Holocaust Research, Yad Vashem, Jerusalem war. Nicht zuletzt gehöre ich dem Editiorial Board der Yad Vashem Studies, Jerusalem, an. Mir zu unterstellen, ich würde „Juden-Hass-Demos“ unterstützen, ist böswillige Verleumdung, die mich als Antisemit darstellen will.“

Weitere Beiträge:

Kommentar(e) zu “Meine Beschwerde beim Deutschen Presserat gegen die verleumderische Hetze von BILD

  1. Sehr geehrter Her Prof. Wildt,
    diese Erklärung hat meine vollste rückhaltlose Unterstützung. Versammlungsrecht und freie Meinungsäusserung an Universitäten dürfen niemals Freiwild für rechte Hetze in der Boulevardpresse sein. Die BILD muss zur Rechenschaft gezogen werden.
    Danke für Ihre Beschwerde, der ich mich hiermit anschliesse.
    Prof. Dr. Sabine Broeck, Emerita, Universität Bremen

  2. Ich lese die Bildzeitung nicht und habe diese Aktion von ihr über die sozialen Medien mitbekommen. Die Mehrheit der zeitunglesenden deutschen Bevölkerung kauft und/oder liest dieses Blatt – unkritisch, denn Meinungen werden nicht gebildet, wie die Bild anpreist, sondern wortwörtlich aus ihr übernommen. Aber auch solche, die die Bildzeitung nicht lesen, haben dem „Statement von Lehrenden an Berliner Universitäten“ Antisemitismus unterstellt, einzelne Professor*innen haben sich bei der Berliner Polizei für ihren Einsatz gegen protestierende Studierende bedankt, und die Rede ist immer wieder von „Judenhass“ und „Mobs“, wenn sich Proteste formieren gegen das Vorgehen der israelischen Regierung im Gaza. Ein Überblick über die deutsche Presselandschaft zeigt zugleich, dass wir es mit einseitigen Berichterstattungen zu tun haben. Das passiert unter dem Dach des deutschen Presserats. Was soll er auch sagen? Von Journalist*innen wollen wir informiert werden, sie reden aber Politiker*innen nach dem Munde – vielleicht liegt an ihrer Ausbildung. Ich habe einmal in einer Redaktion gearbeitet, in der unter anderem das Wirtschaftsministerium in Bayern als Kunde bedient wurde. Und was durfte nicht geschrieben werden? Alles, was ein negatives Bild auf die Minister*innen werfen könnte. Was ist daran eine freie Presse, wo soll das hinführen? Ich habe Professor Wildts Beschwerde gelesen. Sie ist vorbildlich. Und die Adresse des deutschen Presserates ist eine hervorragende Wahl.

  3. Lieber Herr Wildt,

    ich schließe mich ebenfalls Ihrer Beschwerde an.

    Die Hetze der Journalist*innen der ‚Bild‘ ist unerträglich
    und gefährlich. Aus meiner Sicht verletzt dieser Artikel
    die Persönlichkeitsrechte aller genannten und abgebildeten
    Kolleg*innen und damit das Grundgesetz. Das darf nicht
    einfach hingenommen werden.

    Mitt freundlichen Grüßen,

    Sonja Brentjes

  4. Sehr geehrter Herr Professor,
    diese Seite von Bild stellt eine unerträgliche, geifernde, hasserfüllte Hetze dar!
    Ich hoffe, dass sich noch weitere Unterzeichner des Statements Ihrer Beschwerde anschließen werden!

    Wie ist denn diese Hetze rechtlich zu bewerten?! Stellt dies nicht eine beleidigende, verleumderische Rufschädigung dar?

  5. Sehr geehrter Herr Wildt,

    Ich danke Ihnen für Ihre Beschwerde gegen die absolut inakzeptable und böswillige Verleumdung der BILD. Ich unterstütze Sie und Ihre Kollegen mit größtem Nachdruck.

    Prof Dr Kai Ambos
    Göttingen/Den Haag

  6. Der Form von Mc·Carthyism, die wir in diesem Land gegenwärtig erleben müssen, zeigt wie dünn die demokratische Schicht tatsächlich ist. Wie zu Zeiten des Vietnamkrieges bildet die Springerpresse erneut die Speerspitze der Verleimdung Andersdenkender.
    Ich bin gespannt auf die Reaktion des Presserates.
    Einen Versuch war es in jedem Fall wert.

    1. Sehr geehrter Herr Fuchs,
      vielen Dank fuer Ihre Unterstuetzung! Wir werden sehen, ob meine Beschwerde Erfolg hat und BILD wenigstens in diesem einen Fall einmal die Grenzen gezeigt werden.
      Beste Gruesse
      Michael Wildt

  7. Lieber Michael,
    ich möchte mich mit Dir uneingeschränkt gegen diese Bild-Diffamierung solidarisieren!
    Rüdiger

  8. Bin von dem Artikel nicht direkt betroffen, aber unterstütze das gerne, vor allem auch als ehemaliger Hochschullehrer und in der Sorge, dass durch den Artikel die zunehmenden Tendenzen zu Intoleranz, Fanatismus und gewalttätigen Auseinandersetzung, die wir leider beobachten, gefördert werden könnten. Hoffe, dass sich die anderen Unterzeichnenden der Stellungnahme der Eingabe anschließen.
    Alles Gute für Sie! W. Walter

  9. Sehr geehrter Herr Professor Wildt
    In schlechten Zeiten zeigt sich Menschlichkeit im aufrechten Gang der Beschwerde gegen die Hetze der Unvernunft.
    In Solidarität und mit besten Wünschen
    Werner Bonefeld, Prof. Emeritus, University of York (UK)

  10. Sehr geehrter Herr Professor Michael Wildt,
    auch ich unterstütze Ihre Beschwerde mit höchstem Nachdruck. Die Entscheidung zur Räumung ist ohne zureichende Prüfung der Dialogfähigkeit der Protestierenden gefallen. Studierende, die daran teilgenommen haben, haben sich über Wochen um einen solchen Dialog bemüht. Die Räumung durch die Polizei ist teilweise brutal erfolgt. Gerade die Freie Universität hat eine lange Tradition von Streiks und Protest und eine ebenso lange Tradition, damit deeskalierend umzugehen. Versammlungsrecht und freie Meinungsäußerung an Universitäten ist zur Verteidigung akademischer Freiheit in diesen polarisierende Zeiten von besonderer Bedeutung. Ich danke Ihnen daher für Ihre Beschwerde und teile sie.
    Mit freundlichen Grüßen
    Ihr
    Professor Dr. Hajo Funke, Otto-Suhr-Institut der Freien Universität (im Ruhestand)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert